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DBW2018: Mein Diabetes gehört zu mir!

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Wem würde ich einen Tag lang meinen Diabetes geben? Niemandem! – Als ich dieses erste Thema der Diabetes Blog Woche 2018 gelesen habe, reagierte ich sogar negativ. Was soll das? Was ist das für ein doofes Thema? Warum sollte ich jemandem meinen Diabetes geben wollen? Das ist meiner! Andere waren so begeistert von diesem Gedankenspiel. Sie nannten sofort Namen von Menschen aus ihrem Umfeld, denen sie für einen Tag den Untermieter überlassen wollten. Hinter diesen Diabetes-Abgaben steckte meist der Wunsch, dass man von einer bestimmten Person mehr Verständnis erhält. Dadurch fiel mir auf, dass ich mir das nicht wünsche. Ich fragte mich, warum es anderen so wichtig war, ihren Diabetes einen Tag lang abgeben zu können, es mich aber kalt ließ. Zwei Faktoren konnte ich ermitteln: Meine eigene Akzeptanz und das Verständnis meines Umfelds.

Mein Diabetes gehört zu mir, ist das klar?!

Ich schaue in den Spiegel, sehe meine braunen Haare. Dass ich braune Haare habe, weiß ich, aber ich denke nicht den ganzen Tag daran. Ich registriere es unterbewusst, wenn ich mich morgens fertig mache. Dann kümmere ich mich um eine anständige Frisur, damit ich auf der Arbeit vernünftig aussehe. – So versuche ich anderen immer meine Wahrnehmung meines Diabetes zu beschreiben. Er ist so sehr ein Teil von mir, ich könnte es mir gar nicht anders vorstellen. Seit 22 Jahren begleitet er mich. Ich kümmere mich um ihn, damit der Tag und der Blutzucker vernünftig verlaufen. Genauso wie mich mal die langen Haare nerven, nervt auch manchmal der Diabetes. Dann kann ich bei Instagram und Co.  meinen Ärger herauslassen. Aber ich würde mir deswegen keine Glatze rasieren und auch nicht meinen Diabetes abgeben.

Akzeptanz anstatt Abgabe

Ich habe lange gebraucht, um dieses Maß an Akzeptanz zu erreichen und es war harte Arbeit. Die Routinen des Diabetes haben in meinen Alltag Einzug gefunden. Sie stören mich fast nie. Es ist wie Haare kämen, Zähne putzen, morgens den ersten Kaffee trinken. Manchmal habe ich keine Lust darauf, aber man macht es dann doch, weil man es gewohnt ist. Deshalb habe ich glaube ich auch nicht das Gefühl, dass der Diabetes mein Leben beeinträchtigt oder mir Lebenszeit raubt. Mir würde etwas in meiner täglichen Routine fehlen und ich würde mir seltsam vorkommen, wenn der Diabetes nicht da wäre.

Akzeptiert werden….

Die Akzeptanz kommt zum einen aus einem selbst heraus, zum anderen aber auch vom eigenen Umfeld. Das hängt auch mit dem Verständnis zusammen, was einem entgegengebracht wird. Mein Diabetes wird von meinen Freunden, Arbeitskollegen und allen anderen vollkommen akzeptiert. Genauso wie ich als Mensch, der eben auch Diabetes hat. Warum ist das so? Tatsächlich spielen Wissen und Bildung eine große Rolle, denn ich musste kaum jemandem in meinem direkten Umfeld erklären, was Diabetes ist. Die Unterschiede zwischen Typ 1 und 2 waren fast immer bekannt. Wenn so viel Vorwissen vorhanden ist, muss man 1. weniger diskutieren oder aufklären und 2. kann man direkt auf einer ganz anderen Ebene einsteigen. Jeder in meinem Umfeld kennt meine Geräte, der Unterschied zwischen Gewebe- und Blutzucker ist kein Problem, bei einer Hypo werden mir Kekse hingehalten. Auch der Humor meiner Freunde zeigt mir, dass der Diabetes und ich voll akzeptiert sind. So höre ich auch mal Sprüche, wie „Kathy spielt mal wieder Super Mario Diabetes.“

Verständnis – Teil der sozialen Intelligenz

Ich sage immer, dass man Menschen eine geringere Intelligenz nicht vorwerfen kann. Sie können ja schließlich nichts dafür. Wenn jemand nur unwissend ist, kann man erklären und aufklären. Aber es gibt auch eine soziale Intelligenz. Diese wird von genetischen Faktoren und der Sozialisation (zu einem großen Teil meist durch die Eltern) geprägt. Aber, ist es eine Entschuldigung ein verständnisloser Erwachsener zu sein, wenn die Eltern Mist gebaut haben? Ich denke, hier kann man sich anders entscheiden, wenn man sich als Mensch reflektiert. Das machen aber leider nur wenige.

Sinnloses Gedankenspiel?

Ich fragte mich, ob es dann etwas bringt jemanden den Diabetes zu geben, der kein verständnisvoller Mensch ist. Dieses Gedankenspiel der Abgabe beinhaltet aber genau das: Diabetiker wollen dadurch mehr Verständnis von jemanden aus ihrem Umfeld. Aber kann man jemanden, der bisher weder die Empathie, noch das Verständnis für den Diabetes hatte, durch eine Abgabe belehren? Wohl kaum! Gerade weil es nur ein Gedankenspiel ist. Und auch mir selber würde das nicht helfen.

Ich kann mir aber vorstellen, dass andere – insbesondere, wenn sie auf welche Weise auch immer, mit dem Diabetes hadern – mehr Verständnis benötigen und für sie das Gedankenspiel der Abgabe wichtig ist. Wenn sie kein Verständnis von Freunden und Familie erhalten, kann man dies aber leider nur akzeptieren. Oder hinterfragen, wo man steht. Ändern kann man Menschen von außen nie. Das ist meine Erfahrung.

Ich wünsche Dir den Diabetes an den Hals…

Ein weiterer Aspekt in diesem Gedankenspiel war für mich auch, dass ich niemand anderem eine chronische Erkrankung wünschen würde. Das ist schlecht für das eigene Karma. Ich sehe so viele Diabetiker, die mit dieser Situation hadern. Ich wüsste ja nicht, ob der, dem ich den Diabetes abgeben würde, es aushalten könnte. Von mir selbst weiß ich, dass ich sehr gut mit dieser Erkrankung zurechtkomme und mit mir im Reinen bin, auch wenn es mal schlechte Tage gibt.

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