Teil 2: Die gynäkologische Vorsorge bei Diabetes

Blue November-Reihe: Diabetes und Frauen

Einführung

Teil 1: Diabetes und der weibliche Körper

Teil 2: Die gynäkologische Vorsorge bei Diabetes

Teil 3: Der weibliche Zyklus oder die Diabetes-Achterbahnfahrt

Teil 4: PCO und Diabetes – eine besondere Verbindung

Teil 5: Diabetes und Verhütung

Kein Mensch geht gerne zu der gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung. Unabhängig von anderen bzw. chronischen Erkrankungen sollte aber jeder Frau ein- bis zweimal im Jahr den Weg zu einer Gynäkolog:in finden. Es ist eine der unangenehmsten medizinischen Vorsorgeuntersuchungen, aber auch eine der wichtigsten. Dies gilt besonders im Zusammenhang mit Diabetes – egal welcher Typ.

Warum ist die gynäkologische Vorsorge so wichtig?

Wir leben im absoluten Luxus, was unsere medizinische Versorgung angeht. Natürlich gibt es immer etwas, was besser laufen könnte, aber uns stehen z.B. viele Vorsorgeuntersuchungen zur Verfügung. Dazu gehört auch die gynäkologische Untersuchung. Die besondere Anatomie des weiblichen Körpers bringt es mit sich, dass ein Teil der empfindlichen Fortpflanzungsorgane nicht gut zugänglich ist. Schon alleine deswegen ist ein Check Up wichtig. Hinzu kommen zahlreiche Erkrankungen, die früh erkannt oftmals ungefährlich sind. Menschen mit Diabetes sind für solche Erkrankungen, die das Immunsystem fordern, besonders anfällig. Zusätzlich können zu hohe Blutzuckerwerte über einen längeren Zeitraum die Scheidenflora stören und die Anfälligkeit für Entzündungen oder Infektionen steigt.

Terminvorbereitung und das richtige Outfit

Ich würde sonst nie jemandem eine Empfehlung für Kleidung geben. Jeder sollte das anziehen, worin er sich wohl fühlt. Das gilt ganz besonders bei der gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung. Tatsächlich habe ich folgenden Tipp als Teenager in der Bravo gelesen: Bei diesem Arzttermin sollte man ein langes Shirt tragen oder etwas ähnliches. Kleidung bietet ja auch Schutz. Ich empfinde es als angenehmer, wenn ich durch den Raum laufen muss und noch Socken und ein langes Shirt anhabe. Ich fühle mich dann nicht so entblößt. Zudem habe ich Erfrischungstücher dabei und eine frische Slipeinlage, damit ich mich auch nach der Untersuchung wohl fühle. Zu der Terminvorbereitung gehören meiner Meinung nach auch die letzten Laborwerte. Sprich, ich habe meinen blauen Diabetes-Pass dabei.

Wünsche klar äußern, Diabetes thematisieren

Generell gilt, dass man bei einem Arztbesuch seine Wünsche direkt äußern kann. Gerade wenn man bei einer neuen Ärzt:in ist, bedeutet das auch, dass man es sagen kann, wenn man sich unwohl fühlt und daher die gynäkologische Untersuchung nicht komplett durchführen möchte. Niemand kann euch auf diesen Stuhl zwingen und ihr selbst solltet es auch nicht machen, wenn ihr merkt, dass es eine zu krasse Überwindung wird.

Bitte behaltet im Hinterkopf, dass euere Ärzt:in nicht alles über Diabetes wissen muss. Es gibt einen Grund, weshalb man eine Facharztausbildung macht und sich spezialisiert. Das medizinische Wissen ist unfassbar groß und die Spezialisierung hilft in diesem System den Überblick zu behalten. Der HbA1c-Wert und das erhöhte Risiko für Entzündungen und Infektionen im Zusammenhang mit Diabetes, wird aber bekannt sein. Bei dem ganzen technischen Firlefanz und Detailwissen sollte man seine Frauenärzt:in mit ins Boot holen und auf Augenhöhe zusammenarbeiten. Es gehört auch dazu Probleme im Zyklus zu besprechen und sich auszutauschen. Gerade was die Blutzuckerschwankungen kurz vor und während der Periode betrifft (mehr dazu in Teil 3). Man sollte seine Frauenärzt:in auch mit ins Boot holen, wenn man eine Schwangerschaft plant ode diese schon begonnen hat. Der Diabetes verlangt dann besondere Aufmerksamkeit.

Der Abstrich wird für den sogenannten Pap-Test verwendet. Die Probe wird im Labor auf Krebszellen hin untersucht.
(Bild: pixabay.com)

Abstrich und Ultraschall

Es kann sehr schmerzhaft sein, wenn ein Abstrich (auch Pap-Test genannt) am sogenannten Muttermund (Zervix) gemacht wird. Aber wer weiß, was mit diesem Abstrich passiert? Die Probe wird in zwei unabhängige Labore gesendet. Dort wird geschaut, ob man Anzeichen für Krebszellen findet, die durch HPV (siehe weiter unten) ausgelöst werden. Es wird jedoch nicht untersucht, ob man HPV hat. Dazu aber später mehr.

Der vaginale Ultraschall ist ebenfalls Standardbestandteil einer gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung. Sollten Abstrich und Ultraschall nicht einmal im Jahr bei euch gemacht werden, dann sprecht die Gynäkolog:in bitte darauf an. Der Ultraschall ist notwendig, um Gebärmutter und Eierstöcke zu kontrollieren.

Krebsvorsorge steht im Zentrum

Diabetes schützt leider niemanden davor nicht auch andere schwerwiegende Erkrankungen zu bekommen. Im Zentrum der gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung steht vor allem die Krebsvorsorge. Im Jahr 2002 erkrankten laut Statistik in Deutschland etwa 200.000 Frauen an Krebs. Dabei verteilen sich die Neuerkrankungen folgendermaßen:

26,8%     Brustkrebs
17,4%     Darmkrebs
6,0%     Lungenkrebs
5,5%     Gebärmutterkrebs
4,8%     Eierstockkrebs
3,1%     Gebärmutterhalskrebs

(Quelle: Bericht des Robert Koch Instituts)

Vier der sechs häufigsten Krebsarten bei Frauen treten also im Bereich der Geschlechtsorgane auf. Bei Früherkennung sind viele gut behandelbar. Es stehen je nach Alter der Frau viele Möglichkeiten zur Verfügung, um Vorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen:

Die rosane Schleife ist das internationale Symbol für Brustkrebs.
(Bild: pixabay.com)
  • ab dem 20. Lebensjahr
    Krebsvorsorgeabstrich vom Muttermund und das Abtasten der inneren Geschlechtsorgane über die Vagina
  • ab dem 30. Lebensjahr
    zusätzliche Abtastung der Brüste
  • ab dem 50. Lebensjahr
    zusätzliche Austastung des Enddarmes sowie Mammographie alle 2 Jahre
  • vom 50. bis 55. Lebensjahr
    Untersuchung des Stuhls auf unsichtbares Blut jährlich und ab dem 55.Lebensjahr alle 2 Jahre, wenn die Durchführung der Darmspiegelung nicht in Anspruch genommen wird
  • ab dem 55. Lebensjahr
    zweimal im Abstand von 10 Jahren die Durchführung einer Darmspiegelung

Zysten -Panik und dabei vollkommen normal

Etwas, was mir bei all meinen bisherigen Ärzt:innen aufgefallen ist: Ich kriege immer mitgeteilt, dass ich eine Zyste habe. Eine genaue Aufklärung darüber erfolgte erst bei meiner letzten Ärztin. Zysten sind vollkommen normal und treten genauso wie Pickel einfach mal auf und verschwinden auch gerne wieder. Meistens sind sie mit Wasser oder Gewebsflüssigkeiten gefüllt. Sie gehören zu jedem Körper dazu. Aufhorchen muss man, wenn sehr viele Zysten oder besonders große auftauchen. Sie können z.B. ein Anzeichen für andere Erkrankungen sein. Platzt eine solche Zyste, kann dies sehr schmerzhaft sein. Man selbst wird das gar nicht als geplatzte Zyste identifizieren können. Für gewöhnlich hat man dann cholikähnliche Schmerzen.

HPV – der Untermieter, den niemand kennt

HPV? Hinter dieser Abkürzung versteckt sich das Humane Papillomvirus. Es ist eine der häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten in Industrieländern. Dieses Virus ist für Männer weitgehend ungefährlich, sie sind nur Träger und Verbreiter. Für Frauen birgt es jedoch ein sehr hohes Risiko, da es u.a. für Gebärmutterhalskrebs verantwortlich ist. Oft bleibt die Infektion unerkannt, da sich kaum Symptome zeigt, bis der „Worst Case“ einsetzt. Dabei kann man sich ganz einfach davor schützen: eine Impfung gibt es bereits seit Jahren. In Australien beispielsweise gehört diese Impfung zu den Pflichtimpfungen. Wohingegen in Europa vermutlich bis zu 75% infiziert sind. Manche Studien gehen sogar davon aus, dass sich nahezu jeder Mensch im Laufe seines Lebens damit infiziert. Manchmal löst dieses Virus Feigwarzen aus, die einfach von einer Ärzt:in entfernt werden können.

Lass Dich testen!

Jeder Mensch sollte in seinem Leben ein bis zweimal oder häufiger die Tests für sexuell übertragbare Krankheiten machen. Zu viele bleiben einfach zu lange unbemerkt. Ich habe mich auch schon testen lassen. Meine letzte Beziehung scheiterte u.a., weil ich betrogen wurde. Auch wenn mein Ex-Partner mir sagte, dass er sich immer geschützt hatte, wollte ich 100%ig sicher sein, dass ich nichts habe. Und ganz ehrlich, das Vertrauen für solche Aussagen war eh nicht gegeben. Aber auch wenn das Vertrauen nicht zerstört wurde, man kann Menschen immer nur vor den Kopf schauen. Hinzu kommt, dass Infektionen oft so lange unentdeckt bleiben. Vielleicht weiß es der Partner gar nicht.

In Teil 5: „Diabetes und Verhütung“ werde ich nochmals genauer auf dieses Thema eingehen, denn zur Verhütung gehört auch der Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten. Das wiederum beschränkt sich nicht nur auf Penetrationssex, denn manche Krankheiten können auch durch Oralsex übertragen werden. Auch hier muss man sich schützen.

Abszesse, Furunkel und andere Entzündungen

Bereits im 1. Teil meiner Reihe „Diabetes und Frauen“ bin ich auf Abszesse eingegangen. Abszesse und Furunkel treten bei Menschen mit Diabetes gehäuft auf. Gleiches gilt für Pilzinfektionen, die hier nicht gesondert behandelt werden. Gerade in Bereichen, sie in Hautfalten liegen, nicht so zugänglich sind oder ständig durch Kleidung eine Reibung erfahren. Die Anfälligkeit für Menschen mit Diabetes kommt durch das geschwächte Immunsystem – insbesondere, wenn die Blutzuckerwerte längere Zeit höher waren. Das betrifft natürlich auch die Anfälligkeit für andere Infektionen, wie z.B. Blasenentzündungen. Abszesse und Furunkel sollten niemals selbst behandelt werden. Man sollte immer zu einer Ärzt:in gehen. Viele unterschätzen die Gefahr, die von einem solchen Abszess ausgeht. Er kann eine Blutvergiftung (Sepsis) verursachen. Zudem verschlimmern sich Abszesse meistens, wenn man versucht sie selber zu behandeln. Die Konsequenz ist dann meist eine OP, bei der das gesamte infizierte Gewebe entfernt werden muss.

Muttermale checken lassen

Das ist ein kleiner Tipp: Bei der Krebsvorsorgeuntersuchung der Haut wird meist der Intimbereich ausgelassen. Daher ist es ratsam die Gynäkolog:in zu bitten auch Muttermale mit anzusehen. So kann man sicher gehen, dass auch hier Veränderungen rechtzeitig bemerkt werden würden.

Brust abtasten

Zuletzt möchte ich noch darauf eingehen, dass jede Frau auch selbst ihre Brust regelmäßig abtasten kann. Mehrere Ärzt:innen haben hierzu auf YouTube Anleitungen gepostet. Es ist gut damit früh anzufangen, damit man auch ein Gespür für sein Brustgewebe bekommt und dann Veränderungen früh erkennen kann.


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