Karriere mit Diabetes?

Egal in welchem Alter man die Diagnose Diabetes erhält, es ist erst einmal ein Schock! Negative Gefühle, Überforderung und auch ein gewisser Unwillen sind eine normale Reaktion. Es erfordert Zeit eine chronische Erkrankung zu akzeptieren und sich damit zu arrangieren. Und sind wir mal ehrlich? Ansich ist es doch ein täglicher Kampf. Viele glauben, dass sie mit dem Diabetes absolut eingeschränkt sind. Junge Menschen sehen plötzlich ihre Zukunft in einem anderen Licht.

Wenn mit dem Traumberuf auch die chronische Erkrankung kommt…

Ich war 12 Jahre alt, als ich die Diagnose bekam. Ich war aber auch 12 Jahre alt, als ich beschloss, dass ich Journalistin werden wollte. Es war sozusagen ein aufregendes und zukunftsweisendes Jahr. Dank der wunderbaren Verdrängung eines Teenagers war mein Diabetes in den folgendes Jahren kein Thema. Mit miesem HbA1c machte ich mein Abitur und ging ohne Umwege an die Universität. Ich entschloss mich für den klassichen Weg zum Journalismus: Geisteswissenschaftliches Studium, Praktika, freie Mitarbeit bei Zeitungen und Auslandssemester.

Auslandssemester? Geht das überhaupt mit Diabetes?

Als ich 2007 mein Auslandssemester vorbereitete, musste ich mich auch über eine Auslandskrankenversicherung informieren. Ich laß oft den Hinweis, dass eine solche Versicherung nicht greift, wenn man bereits vorab eine Erkrankung hat. Da machte ich mir das erste Mal richtig Gedanken um meinen Diabetes. Denn ich deutete diese Regeln so, dass ich im Ausland keine Versorgung erhalten würde. Das war natürlich falsch. Ich entschloss mich aber alle benötigten Medikamente und Hilfsmittel vorab zu besorgen und mitzunehmen. Nach drei Monaten in Italien flog ich zurück und deckte mich erneut ein. Damals machte ich die Erfahrung, dass Organisation und Planung vieles einfacher machen sowie Grenzen aufheben.

Frau Magistra und was nun?

2010 machte ich meinen Abschluß an der Universität und musste schauen, wie es weiter geht. Für mich war immer klar, dass ich Karriere machen wollte. Ich bin nicht dazu geschaffen in einem Büro zu versauern und täglich dasselbe machen zu müssen. Interessante, abwechslungsreiche Projekte, Reisen, Verantwortung und kurzum Action! Das wollte ich! Auch stand ich vor der Frage, ob ich einen Behindertenausweis beantrage oder nicht (hierzu werde ich noch ausführlich berichten). Letztendlich entschied ich mich erst einmal den Journalismus noch warten zu lassen und meinen Doktor zu machen.

Hochschulkarriere mit süßem Begleiter

Leistung. Das ist heutzutage der wichtigste Punkt im Arbeitsleben. Dies ist schon für gesunde Menschen eine hohe Belastung. Menschen mit chronischen Erkranungen vollführen da manchmal einen besonderen Drahtseilakt. Nicht nur der Job fordert einen, sondern auch der Diabetes. Nicht immer kann man offen mit seinem süßen Begleiter umgehen.

…und was ist, wenn man den Traumberuf nicht machen darf?

Natürlich gibt es Berufe, die einem Typ 1 Diabetiker bis jetzt noch verwehrt werden. Hierunter fallen zum Beispiel Tätigkeiten, in denen man die Verantwortung für andere Menschenleben hat: Pilot, Polizist, Lokführer, Flugsicherung etc. Über das Für und Wider möchte ich keine Diskussion anfangen. Als Tipp kann ich nur auf den Weg geben, wenn man einen dieser Berufe erlernen wollte, sollte man sich bewusst werden, was man an dem Job toll findet. Dann muss man schauen, ob man diesen Punkt dann auch bei einer anderen Tätigkeit erfüllt sieht. Denn man sollte immer dennoch einen Beruf wählen, der einen Spaß macht und erfüllt. Schließlich muss man den 40 Jahre oder länger machen.


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