Messtechniken

Freestyle Libre vs. Dexcom G5

Die Firma Dexcom hat mir die Möglichkeit gegeben vier Wochen lang den Dexcom G5 auszuprobieren. Ich muss daraus natürlich wieder eine Competition machen. Das Freestyle Libre, das ich normalerweise nutze, musste gegen den Dexcom antreten. Dabei habe ich erstaunliches festgestellt und den Fehler für meinen schlechten HbA1c gefunden – okay, 7,0% ist nicht wirklich schlecht, aber ich möchte meinen 5er-Wert wieder zurück, um mich selbst wohl zu fühlen.

FGM vs. CGM – was ist eigentlich der Unterschied?

Ich nutze seit Sommer 2017 ein FGM. Hinter der Abkürzung verbirgt sich das Flash Glucose Monitoring vertreten durch das FreeStyle Libre aus dem Hause Abbott. Es ist ein System zum kontinuierlichen Messen des Glukosewertes im Zwischenzellwasser (mehr Infos auf der Produktseite von Abbott). Dieselbe Grundlage zur Messung hat auch ein CGM (Continuous Glucose Monitoring). Hier wird ebenfalls ein Sensorfaden unter die Haut gegeben. In meinem Fall war es der Dexcom G5 8mehr Infos auf der Produkseite von Dexcom). Dieser hat einen deutlich feineren Sensorfaden als das FreeStyle Libre. Dieses optische Merkmal viel mir als erstes auf.

Der wichtigste Unterschied liegt in der Kommunikation und der Kalibrierung der beiden Systeme. Das FreeStyle Libre zeigt nur Werte an, wenn diese abgescannt werden. Es sendet nicht aktiv Informationen an das Messgerät oder das Handy (nur Android). Scannt man mehr als acht Stunden nicht, entsteht eine Messlücke, da der Sensor sich nicht länger „erinnern“ kann. Der Dexcom G5 ist im Gegensatz dazu richtig gesprächsfreudig. Er sendet kontinuierlich den Blutzuckerwert an Messgerät oder Handy. Im Gegensatz zum Libre stehen hier auch Apple-Usern beide Optionen zur Verfügung. Ein CGM ermöglicht dem Nutzer zudem eine Ober- und Untergrenze für den Blutzuckerwert festzulegen. Sobald eine dieser Grenzen über- oder unterschritten wird, warnt das System.

(Foto: KMT)

Und wie kriege ich das nun unter die Haut?

Hier bekleckern sich beide Systeme nicht mit Ruhm. Das FreeStyle Libre wird mit einer Einwegsetzhilfe in die Haut geschossen. Das geschieht (meistens) schmerzlos. Sensor und Setzhilfe müssen vorher jedoch zusammengebaut werden. Dieser Schritt entfällt bei dem Dexcom G5. Hier wird alles in einem geliefert, aber auch diese Setzhilfe ist ein Einwegprodukt. Für mich ist dies ein ärgerlicher Faktor, da ich mich bereits intensiv mit vermeidbaren Müll in der Diabetestherapie beschäftigt habe (mehr dazu hier). Das Setzen des Dexcom G5 ist eine Wissenschaft für sich. Ich empfehle jedem vorab ein Video zu schauen, da die Abfolge der Schritte sehr wichtig ist (zum Beispiel hier im Vlog Diabeteswelt).

Ein optimistisches FreeStyle Libre und das böse Erwachen

Natürlich kann ich keinen umfassenden Test gemacht. Viele Faktoren sind unter diesen Bedingungen gar nicht zu erfassen. Ich habe jeweils zwei unterschiedliche Sensoren beider Systeme gleichzeitig getestet. Es kann durchaus sein, dass mal ein Sensor doof sitzt und dadurch falsche Werte liefert, das sagt aber noch nichts über das gesamte System aus.

Der größte und deutlichste Unterschied war für mich die Messgenauigkeit vom Dexcom G5. Es kamen einige Probleme in der Nacht zum Vorschein. Generell hatte ich bemerkt, dass das Libre mir immer bessere Werte anzeigte als die blutigen Messungen. Das war recht konstant und das konnte ich einkalkulieren. Nachts wurde mir eine wunderbar gerade 100er-Linie vom Libre angeschaut. Der Durchschnittswert lies auf einen HbA1c um die 6,2% hoffen. Tatsächlich waren es aber 7,0% und ich war sehr deprimiert, da all meine Bemühungen seit dem Sommer nicht geholfen hatten. Der Dexcom offenbarte dann die Wahrheit: Nachts lag ich eher bei 200er-Werten und diese waren auch nicht stabil. Eindeutig wurde da ohne mich eine Party gefeiert. Dies führte zum ersten bösen Erwachen, was das System des FreeStyle Libres angeht. Ich musste meine Basalrate nachts deutlich überarbeiten.

80 mg/dl Abweichung als Normalfall (Foto: KMT)

Tragekomfort ohne Sieger

Das Libre ist viel flacher als der Dexcom, der als ordentlicher Klotz daherkommt. Dafür ist das Pflaster des Dexcom G5 wesentlich hautschonender. Dies geht jedoch zu Lasten der Überlebensdauer eines solchen Pflasters. Beim Libre hatte ich jedoch schon einige Male Hautirritationen, die teilweise erst entstanden, wenn ich den Sensor nach 14 Tagen versuchte runterzubekommen. Der Dexcom kommt meiner Meinung nach nicht ohne eine zusätzliche Fixierung aus. Ich persönlich würde mich dennoch eher für das Pflaster des Dexcoms entscheiden, als für das des Libres.

Der ultimative Härtetest für die Haltbarkeit der Pflaster war ein Saunabesuch. Beide Systeme waren bereits am Ende ihrer Laufzeit und ich wollte wissen, wie lange sie dann noch durchhalten. Hitze, Wasser und Schweiß sollten den beiden Sensoren zusetzen. Der Kampf war jedoch nicht ganz fair, da der Dexcom bereits mit Tape fixiert war. Nach etwa 6 Stunden versagte auch das. Der Libre gab erst nach 8 Stunden auf. Ich glaube, wenn ich auch ihn fixiert hätte, hätte es durchgehalten.

Nach dem Saunatest (Foto:KMT)

Fazit

Jeder Diabetiker sollte seine Therapie seinen eigenen Bedürfnissen anpassen. Das Libre ist eine kostengünstige und einfache Methode einen Überblick über den eigenen Blutzuckerverlauf zu bekommen. Auch wenn es Werte optimistischer anzeigt, so kann man doch z.B. Schwankungen erkennen und diese minimieren. Der Dexcom G5 weist eine höhere Messgenauigkeit auf und ist daher etwas für Profis, die es ganz genau wissen wollen. Die Warntöne sind insbesondere für Menschen mit einer Hypowahrnehmungsstörung und Schwangere sehr sinnvoll. Mir persönlich wäre die Zuverlässigkeit eines Systems am wichtigsten und das sehe ich bei dem Dexcom G5. Zwar kann auch hier mal ein Sensor schlecht liegen und Abweichungen haben. Jedoch kann man dem Sensor hier durch die tägliche Kalibrierung wieder auf den richtigen Weg führen.

Faktenvergleich

Abmessung Sensor/

Sender

Mobile Auslese-möglichkeiten

Trend-pfeile

Kalibrierung

Warnung

Dauer

FreeStyle Libre 35 x35x5

mm

Android ja ab Werk nein 14

Tage

Dexcom G5 23x38x13

mm

Android, iOS ja Täglich 2mal ja 7

Tage Sensor

3

Monate Transmitter

 

Quellen:

https://www.diabetes-online.de/infobox/a/fgm-cgm-closed-loop-welches-system-fuer-wen-1799394

http://www.t1team.de/diabetes-technologie/kontinuierliches-glukose-monitoring-cgm/

https://www.freestylelibre.de/?gclid=CjwKCAiApdPRBRAdEiwA84bo35SsRS8r2Im3AbJ6lddlOHAsQ8L5MaebFvqtM8pUesOnpVHK4JyY8xoCFZEQAvD_BwE

 

 

*Dieser Beitrag entstand in freundlicher Zusammenarbeit mit Dexcom, die mir unentgeltlich Sensoren und einen Transmitter zur Verfügung stellten. Der Inhalt dieses Blogartikels fasst meine persönlichen Erfahrungen sowie meine eigene Meinung zusammen und wurde von keinem Vertreter der im Artikel genannten Firmen beeinflusst.

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3 Comments

  • Reply Veronika 22. Januar 2018 at 12:17

    Ich weiss schon lange, dass der Libre nicht genau ist und bin nur deswegen zunächst zu meinem Messgerät zurückgekehrt und dann zum Dexcom gewechselt. Um so schlimmer finde ich, das in Österreich der Libre für die Schwangerschaft zugelassen ist und Dexcom nicht. Bei mir hält der Dexcom min. 8 Tage ohne Tape, aber erst seit ich auf die Akoholdesinfektion verzichte.
    Aber das Wichtigste: Ich habe den Dexcom seit Frühling 2017 und keinen Hypo mehr, wo mir jemand anderer Zucker geben musste oder ich in der Arbeit negativ aufgefallen wäre, da er mich immer zuverlässig warnt! Wenn man vergisst zu kalibriren, läuft er außer am Anfang weiter (ist mit Kalibrirung genauer, aber selbst bei Vergessen genauer als der Libre). Wenn der Blutzucker sich SEHR rasch ändert, sollte man ansichtlich „vergessen“, weil es sonst zu falschen Werten kommen kann.

    • Reply Kathy 22. Januar 2018 at 12:48

      Hallo Veronika,
      vielen Dank für Dein ausführliches Feedback und dass Du Deine eigenen Erfahrungen beschreibst. Ich bin mittlerweile auch vollständig auf den Dexcom gewechselt. Dass dieser gar nicht in Österreich für Schwangere zugelassen ist, das Libre aber schon, schockt mich etwas!
      Das Libre ist aber nicht grundsätzlich schlecht. Es zeigt einen auch Tendenzen und Verläufe an. Es ist eben eine kostengünstige Alternative, um mal mehr über den Blutzuckerverlauf zu erfahren. Bei Typ1ern mit Problemen (Hypowahrnehmungsstörung, starke Schwankungen etc.) macht aber wohl nur ein CGM wirklich Sinn. Ich habe es letztens so beschrieben: Das Libre ist ein Smart und der Dexcom eben ein Porsche. 😉

  • Reply Veronika 22. Januar 2018 at 12:32

    Mich stört auch, dass der Libre und Diabetikerwarnhunde (sind etwas weniger genau bei Unterzuckerungen, bringen Dir dafür Zucker) massiv beworben werden, der Dexcom aber nicht.
    Dass so viele Leute Probleme mit dem Einsetzen des Dexcom haben, hat auch damit zu tun, dass die Anleitung falsch ist. Es wird nicht erwähnt, dass der Sender zuerst SCHRAEG gekippt einrasten muss in den Sensor. Man sieht es im Video, aber nur wenn man es langsam abspielt (wird weder schriftlich noch mündlich im Video erklärt). Die Anleitung zum Einsetzen müsste dringend überarbeitet werden!

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