Insulin

Hello Fiasp!

Fiasp kam im Frühjahr 2017 auf den deutschen Markt und es dauerte nicht lang bis das neue Turbo-Insulin in den Himmel gelobt wurde. Im August 2017 entschied ich mich auch zu einem Wechsel von Apidra zu Fiasp, da meine Werte in den letzten sechs Monaten nicht mehr wie gewohnt waren. Mein HbA1c bewegte sich immer zwischen 5,5% bis 6,5%, sondern war nun auf 7,1% hochgerutscht. Für manche Diabetiker ist das ein Luxusproblem, aber ich fühlte mich gar nicht mehr gut.

Was kann das neue Wunderinsulin eigentlich?

In den sozialen Netzwerken hatte Fiasp schnell den Ruf eines Turboinsulins. Auch im Namen, der eigentlich eine Abkürzung für „Faster-acting Insulin Aspart“ ist, verbirgt sich schon die angebliche Zauberei. Doch das Wunder versteckt sich gar nicht in einem neuen Insulin. Es ist das altbekannte NovoRapid aus dem Hause Novo Nordisk. Aber eine kleine entscheidende Zutat ist das Geheimnis des neuen Zaubertranks: Niacinamid. Hinter diesem Zusatzstoff verbirgt sich eine Variante des Vitamin B3 und das nimmt die Funktion eines Wirkbeschleunigers für das Insulin ein.

Fiasp vs. Apidra: Fight!

Ich möchte es immer ganz genau wissen! In den sozialen Netzwerken waren die Aussagen über Fiasp überwiegend positiv. Aber einige sprachen auch davon, dass sie plötzlich viel mehr Insulin benötigten, die Wirkung kaum merkbar früher ist und auch Gewichtszunahmen wurden berichtet. Ich entschied mich Ende August dennoch für den Wechsel und sammelte sowohl davor, als auch danach Daten, weil ich mein altes Insulin mit dem neuen Wundermittel vergleichen wollte.

Wirkdauer – die Fakten!

Apidra gehört wie NovoRapid und Humalog zu den schnell und kurz wirkenden Insulinen. Das bedeutet, dass bereits nach 15 Minuten der Wirkungsbeginn einsetzt. Der Höhepunkt ist nach etwa einer Stunde zu erwarten. Die auslaufende Wirkungsdauer kann sich je nach Spritzmenge und zusätzlichen Faktoren wie Sport und Gesundheit auf zwei bis vier Stunden nach Verabreichung erstrecken.

Fiasp beginnt bereits nach nur fünf Minuten zu wirken. Das hat einen erheblichen Einfluss auf Ess-Spritz-Abstände. Bereits in den ersten 30-45 Minuten steuert dieses Insulin auf seinen Wirkhöhepunkt zu. Die Angaben zur Gesamtwirkungsdauer variieren erheblich. Manche sprechen von maximal 2 Stunden, was ich aus persönlicher Erfahrung auch einplanen würde. Eine offizielle Studie belegt aber eine Zeitspanne, die mit NovoRapid identisch ist und ebenfalls bis zu vier Stunden andauern kann. Daher ist hier mein Tipp sich vorsichtig ranzutasten und zu schauen, wie lange man eine Wirkung des Restinsulins bemerken kann.

Foto: KMT

Der Selbstversuch

Ich habe zwei Wochen lang meinen Verlauf mit Apidra dokumentiert und ebenso zwei Wochen lang den Verlauf mit Fiasp. Dabei habe ich darauf geachtet, dass ich auch an den selben Wochentagen mit derselben Belastung dieselben Mahlzeiten zu mir nehme. Es gibt noch unendlich viele weitere Faktoren, die Einfluss haben könnten, wie der weibliche Zyklus oder dass das Immunsystem unbemerkt etwas bekämpfen muss. Diese Punkte lasse ich außen vor, weil es eben immer noch ein Selbstversuch ist und keine wissenschaftliche Studie.

Das Zeug kickt!

Unter Apidra war alles wie immer bei mir. Der Wechsel auf Fiasp zeigte jedoch sofort deutliche Veränderungen. Das möchte ich am Beispiel meines Frühstücks zeigen:

Unter Apidra musste ich nach meinem Müsli-Frühstück einen Anstieg bis zu 220 mg/dl hinnehmen. Experimente mit dem Ess-Spritz-Anstand brachten da keine Veränderung. Jedoch war ich ohne Korrektur nach etwa 2,5 bis 3 Stunden wieder im Zielbereich. Fiasp verpasste meiner morgendlichen Bergfahrt nach etwa 30 Minuten einen ordentlichen Knick. Es stoppte den Anstieg und ich war erst einmal total begeistert.

Foto: KMT

Manchmal auch zu schnell

Aber was passierte dann? Nach 1,5 bis 2 Stunden stieg der Blutzucker wieder. Das Insulin von meinem Bolus war bereits aufgebraucht, aber mein Körper war mit meinem Frühstück wohl noch nicht fertig. Das konnte ich jeden Morgen beobachten. Fiasp war bereits mit allem fertig und reichte somit gar nicht aus, um mein Frühstück vollständig abzudecken. Das Problem konnte ich mit der Multiwave-Funktion meiner Accu Chek Combo Insulinpumpe lösen.

Mehr Insulin und Gewichtszunahme?

Aber warum unterzuckerte ich dann am Anfang nicht, wenn Fiasp so schnell war? Das lag vermutlich an einem gestiegenen Insulinbedarf. Auch die Basalrate musste ich anheben. Das lag meiner Meinung nach auch an der minimal verschobenen Wirkungskurve durch Fiasp. Es war einfach viel durcheinandergeraten. Also hieß es ran an das Fine Tuning. Das ist keine Aufgabe für Laien. Ich habe Fiasp nun drei Monate und komme langsam an eine Einstellung heran, die wieder weniger Insulin benötigt und sich auf meine gewohnten Verhältnisse normalisiert. Eine Gewichtszunahme gab es zum Glück nicht. Mein neuer HbA1c war 7,0%, was mehr oder weniger unter die Normabweichung fallen dürfte. Fiasp hatte da also nichts verändert, weil erst einmal viel Chaos da war.

Fazit: Entzaubertes Wunder

Für meinen beruflichen Alltag und mein recht schnelles Leben ist Fiasp ideal, da es sofort Wirkung zeigt, wenn ich es spritze. Das gibt mir eine höhere Flexibilität. Ich weiß aber noch nicht, ob mir der Preis mehr Insulin spitzen zu müssen, das ganze wert ist. Das entscheide ich erst, wenn ich mir wieder sicher bin, dass alles wieder genau stimmt. Erst dann weiß ich, ob ich wirklich mehr Insulin benötige oder nicht.

Quellen:

https://www.blood-sugar-lounge.de/2017/06/wie-schnell-ist-das-turboinsulin-fiasp-wirklich/

https://www.diabetologie-online.de/a/novonordisk-bringt-neues-schnelleres-insulin-auf-den-markt-1814461

https://www.puremed.net/Aktuell/TopThema-deaktiviert/Niacinamid-deaktiviert/Niacinamid-Nicht-nur-einfach-ein-weiteres-B-Vitamin.php

http://www.diabetes-heute.uni-duesseldorf.de/wasistdiabetes/behandlunginsulin/index.html?TextID=3726

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2 Comments

  • Reply Klaus | Mister T1D 27. November 2017 at 18:50

    Hallo Kathy! Habe deinen Fiasp-Post bei dedoc entdeckt – und war gespannt. Denn auch ich bin vor kurzem umgestiegen von Apidra auf Fiasp. Exakt vor gut einem Monat. Und nun gehe ich (zunächst einmal) wieder zurück. Apidra hatte mir – nach Jahren der üblichen Try-and-Error-Herumbastelei mit den Parametern, mit denen wir die Grundlage unseres Lebens steuern – letztendlich eines eingebracht: die“geheiligte Basalrate“. Soll heißen: die Linie, im unteren, fast normalen, BZ-Bereich. „Kleines Problem“ bei mir: Ich durfte nur keine Kohlenhydrate anrühren – denn dann wurde Apidra (bei mir) zum Versager. Also war Fiasp eine echte Chance.

    War. Hat leider nicht funktioniert. Bei mir wirkt Fiasp wie ein (nur minimal) verbessertes Novorapid. Und bringt mich wieder zum früheren Hypo- and Hyper-Surfen auf unvorherseharen Wellen. Nach HBA1C im unteren 6er-Bereich (ich war auch schon unter 6 – aber das sollte man nicht wirklich anstreben – das ist eher gefährlich) mit Apidra geht die HBA1C-Reise mit Fiasp wieder zu 7 oder 8. Nicht gut.

    Ich werde also weiter mit Apidra basteln – und vor allem daran arbeiten, massenhafte (kleinere) Hypos zu vermeiden. Vor denen schützt Fiasp sicher besser.

    Das ist meine erste Erfahrung mit Fiasp – Deine kann natürlich eine völlig andere sein. Viel Glück und Erfolg!

    • Reply Kathy 16. Dezember 2017 at 11:58

      Hallo und vielen Dank für das ausführliche Feedback.
      Es ist sehr spannend, wie die Meinungen bei Fiasp auseinander gehen.
      Ich selber habe auch noch keine abschließende Meinung getroffen. Ein Wechsel benötigt immer Zeit, da man manchmal einiges ne einstellen muss. Ich habe mir nun drei Monate Zeit genommen und bin immer noch nicht zufrieden. Daher wäre der Wechsel zurück zum altbewerten Insulin auch eine Option für mich.

      Hatte sich nach der Fiasp-Zeit etwas an Deiner Apidra-Einstellung geändert? Das fände ich eine sehr spannende Frage.

      Viele Grüße!

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